Trümmer @ Häll

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Review: Trümmer – Live im Häll, Heidelberg (06.11.2014)

Am Donnerstag, den 06.11.2014 konnte man eine der vielversprechensten deutschen Bands im Häll in Heidelberg begrüßen. Trümmer sind die neuen deutschen Indie-Helden, nicht nur scheinbare „Wiedergänger“ glanzvoller hanseatischer Diskurspop-Zeiten. Dieses Konzert war ein „Muss“ – wir waren für euch mit dabei…

Das erste Lob des Abends geht an den Support, den sich Trümmer selbst aus ihrer Wahlheimat Hamburg mitgebracht haben: Im angenehm gut gefüllten Häll entert Paul Pötsch die Bühne, um die Band Lafote anzukündigen. Das Trio – mit Trümmer-Schlagzeuger Max als Ersatzmann – rockt sich durch sein zwanzigminütiges Set mit schneidenden Gitarrenakkorden, drahtigem Bass und treibenden Beats. Dazu gibt es scharf eingeworfene Vocals, die uns sehr an die frühen Blumfeld oder Kante erinnern. Lafote dürften jetzt ein paar mehr Fans in unserer Gegend haben.

Die nächsten knapp achtzig Minuten gehören jetzt aber Sänger Paul Pötsch, Bassist Tammo Kasper und Drummer Max Fenski: Trümmer legen gleich richtig los mit ihrem Eröffnungssong „Der Saboteur“. Von Anfang an überzeugt das Trio – das heute durch Gitarrist Helge Hasselberg zum Quartett wird – durch seine Bühnenpräsenz. Und das Publikum liegt der Band sofort zu Füßen, was auch an dem äusserst sympathischen Auftreten liegt. Trümmer bedanken sich bei den Gästen, aber auch das Häll und der Veranstalter Felipe von Blitz Lovin‘ Productions werden nicht vergessen.

Der Band kann man die Freude am Musizieren deutlich ansehen, sie spielt druckvoll und brilliert mit frischem Indie-Sound. Dabei gehen Trümmer einen anderen Weg als ihre momentanen Mitbewerber: Nicht so scharf und kantig wie Messer, nicht so zornig wie Die Nerven. Das Trio aus Hamburg klingt wesentlich mehr nach (Indie-)Pop: Leidenschaftlicher, mitreißender, aber auch sehnsüchtiger Ton ist Fundament und musikalische Umgangssprache bei Trümmer. Die Romantik der Revolution wird ausgiebig zelebriert.

Tanzbar sind die Songs von Trümmer aber auf alle Fälle auch: Das ungemein lässig gespielte „Revolte“, der Track „Strassen voller Schmutz“ – der auf der Bühne wesentlich ungestümer daherkommt als auf dem Album – oder das, an Franz Ferdinand erinnernde „Scheinbar“. Oben tanzt Paul Pötsch, unten das begeisterte Publikum. Hatten wir erwähnt, dass Tammo Kasper einfach nur irrsinnig lässig am Bass aussieht..?

Mit einem enthusiastischen „Wo ist die Euphorie?“ – gleichzeitig der Hit und das Motto der Band – beenden Trümmer vorerst ihren Auftritt, lassen sich aber dann nicht lange bitten, wieder auf die Bühne im Häll zurückzukommen. Und geben mit den folgenden vier Zugaben dann noch einmal ihr Bestes: Unter anderem mit dem extrem rockigen Track „1000. Kippe“ und – zur Freude des Autors – mit einer liebevoll gespielten Version des Undertones-Klassikers „Teenage Kicks“.

Und dieser Song ist auch passend, denn Trümmer machen eigentlich Musik für Teenager, aber eben für die etwas „älteren“ Teenager. „In all diesen Nächten sind wir nicht brav, sondern schlimmer. Und wir werden niemals alt. Nein, wir bleiben so für immer…“, heisst es im Song „In all diesen Nächten“ – und mit genau diesem Gefühl entlassen uns Trümmer in die Heidelberger Nacht.

Setlist:

01. Der Saboteur
02. Macht
03. Revolte
04. 5.30 Uhr
05. Zurück zum Nichts
06. Strassen voller Schmutz
07. Scheinbar
08. Papillon
09. Schutt und Asche
10. In all diesen Nächten
11. Nostalgie
12. Wo ist die Euphorie

13. 1000. Kippe
14. Morgensonne
15. Teenage Kicks
16. Anything Goes

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1 Kommentar

  1. „Saboteur“ ist echt klasse. Gekauft, wird gespielt. Die Band muss ich mir mal noch genauer ansehen. Bisher aus Zeitmangel nicht über „Wo ist die Euphorie“ rausgekommen.

    Gute Review btw!

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