Die Must-Hears der Woche von Popklub – Das IndiePopZine
Die Must-Hears von Popklub – Das IndiePopZine, diesmal mit neuen Songs und Videos von Bloodworm, The Empty Page, Lucid Express und The New Pornographers (Foto).
Bloodworm: Bloodlust
Mit der Single „Bloodlust“ geben Bloodworm aus Nottingham ein erstes starkes Lebenszeichen für 2026 ab – und schärfen ihr Profil als eine Band, die sich ihren Ruf vor allem live erarbeitet hat. Der Song wirkt wie ein verdichteter Moment aus genau dieser Phase: roh, gespannt und voller innerer Bewegung. Musikalisch bewegt sich „Bloodlust“ im Spannungsfeld von Postpunk und Indie-Dunkelheit. Eine treibende Basslinie hält den Track konstant unter Strom, während scharf gezeichnete Gitarrenflächen für Atmosphäre sorgen. Der Sound ist reduziert, aber wirkungsvoll – kühl, ohne distanziert zu sein, und mit einem deutlichen Gespür für Dynamik. Inhaltlich kreist der Song um Zerrissenheit und Enge, um Beziehungen, die gleichzeitig Halt und Reibung bedeuten, und um das Gefühl, in einer Kleinstadt festzustecken, während innerlich alles nach Bewegung drängt. Diese Ambivalenz verleiht „Bloodlust“ seine Spannung: zwischen Aufbruch und Frustration, Euphorie und Stillstand. Begleitet wird die Single von einem Video, das die düstere Grundstimmung aufgreift und den Song visuell weiterdenkt, ohne ihm die Luft zu nehmen. Alles bleibt im Dienst der Atmosphäre – nichts wirkt überhöht oder kalkuliert.
The Empty Page: Death On Our Side
The Empty Page aus Manchester melden sich mit der neuen Single „Death On Our Side“ zurück. Der Track lebt von spannungsgeladenen Gitarren, einem unruhigen Rhythmusfundament und einer Atmosphäre, die ständig zwischen Kontrolle und Kontrollverlust schwankt. Klanglich treffen hier Postpunk-Kälte, Shoegaze-Flächen und Indie-Referenzen der 80er und 90er aufeinander, ohne sich gegenseitig zu neutralisieren. Stattdessen entsteht ein dichtes, leicht übersteuertes Klangbild, das permanent unter Strom steht. Inhaltlich blickt der Song auf eine Generation, für die Zukunftsversprechen brüchig geworden sind. Es geht um Existenzangst, kollektive Erschöpfung und den Versuch, trotzdem weiterzumachen – nicht pathetisch, sondern mit einem fast resignierten Humor. Zwischen düsterer Bestandsaufnahme und trotzigem Optimismus blitzt immer wieder ein Gefühl von Gemeinschaft auf: Wenn alles kippt, bleibt zumindest das Gefühl, nicht allein zu sein. Begleitet wird die Single von einem DIY-geprägten Video, das den rohen Charakter des Songs unterstreicht und visuell an seine innere Unruhe anknüpft. Nichts wirkt glatt oder inszeniert – genau das passt zur Haltung der Band.
Lucid Express: Faux Sweetness
Die Hongkonger Shoegaze-Band Lucid Express gibt Details zu ihrem zweiten Album bekannt: „Instant Comfort“ erscheint am 20. Februar und markiert den nächsten Schritt nach dem selbstbetitelten Debüt. Als erster Vorbote ist nun die neue Single „Faux Sweetness“ erschienen. Der Song öffnet sich mit schwebenden, fast geisterhaften Klängen, bevor er sich in ein dicht geschichtetes Geflecht aus Bass, Synthesizern und Gitarren entfaltet. „Faux Sweetness“ bewegt sich elegant zwischen Dreampop-Leichtigkeit und dunkleren Shoegaze-Texturen – weich in der Oberfläche, aber mit spürbarer Schwere darunter. Genau diese Spannung macht den Reiz des Tracks aus: süß klingend, aber nie harmlos. Auch das kommende Album „Instant Comfort“ arbeitet mit Gegensätzen. Die Songs fangen das nächtliche Schweigen, innere Unruhe und flüchtige Nähe ein und verbinden luftige Melodien mit verwaschenem Feedback und schimmernden Gitarrenwänden. Klanglich wirkt alles warm und entrückt, gleichzeitig leicht beunruhigend – wie Gedanken, die erst nach Mitternacht laut werden.
The New Pornographers: Votive
The New Pornographers sind zurück und geben ihr zehntes Studioalbum bekannt: „The Former Site Of“ erscheint am 27. März bei Merge Records. Zeitgleich veröffentlicht die kanadische Indie- und Power-Pop-Institution die neue Single „Votive“, inklusive Musikvideo. Getragen von A.C. Newmans Mandoline, entfaltet sich der Song aus einem schwebenden Synth-Intro heraus zu einem offenen, fast hymnischen Groove. Die Melodien wirken leichtfüßig, darunter liegt jedoch eine melancholische Spannung, die sich langsam aufbaut. Der wiederkehrende Refrain bleibt sofort hängen, ohne auf schnelle Effekte zu setzen. Auch das kommende Album „The Former Site Of“ knüpft genau hier an. Die Platte versammelt zehn kompakte Pop-Songs, die wie kleine Momentaufnahmen wirken – Geschichten von Menschen an emotionalen und gesellschaftlichen Kipppunkten. Musikalisch bleibt die Band ihrem Gespür für präzise Arrangements treu, öffnet den Sound aber an vielen Stellen für neue Texturen und Stimmungen. Entstanden ist das Album zunächst im Alleingang von Newman, der die Songs in seinem Studio vorbereitete, bevor sie gemeinsam mit Neko Case, Kathryn Calder, John Collins und Todd Fancey weiterentwickelt wurden. Das Ergebnis klingt fokussiert und lebendig zugleich – detailverliebt, aber nie überladen.
