Die Must-Hears der Woche von Popklub – Das IndiePopZine

Die Must-Hears von Popklub – Das IndiePopZine, diesmal mit neuen Songs und Videos von So, Reverie, Ain’t (Foto), Pond und My New Band Believe.

So, Reverie: Runaway

So, Reverie präsentieren mit „Runaway“ eine neue Single, die gleichermaßen leichtfüßig und emotional schwer wiegt. Der Song des Duos aus Liverpool wirkt wie das Ergebnis einer engen kreativen Verbindung – entstanden aus Momenten, in denen aus einer kleinen Idee plötzlich etwas Größeres wächst. Begleitet wird die Single von einem Video, das vertraute Straßenzüge Liverpools einfängt und die melancholische Grundstimmung des Songs visuell unterstreicht. Klanglich lebt „Runaway“ von einer schillernden Jangle-Pop-Ästhetik: flirrende Gitarren, ein treibender Rhythmus und eine Dynamik, die den Song fast vor sich hertreibt. Ausgangspunkt war ein ungewöhnliches Gitarrenmotiv, das sich aus experimentellen Stimmungen entwickelte und schnell zur Grundlage des Tracks wurde. Statt auf elektronische Strukturen zu setzen, entschied sich das Duo bewusst für echte Drums – ein Schritt, der dem Song spürbar mehr Energie und Bewegung verleiht. Im Zentrum steht jedoch ein spannender emotionaler Kontrast. Andy Power beschreibt ihn so: „Nachdem die Instrumentalversion stand, wollte ich, dass die Lyrics sich bewusst anders anfühlen – eher bittersüß im Gegensatz zu den euphorischen Melodien. Diese Mischung aus Traurigkeit und Glück hat mich schon immer fasziniert.“ Diese Gegensätzlichkeit prägt den gesamten Song: Während die Musik fast schwerelos wirkt, erzählen die Texte von unerwiderter Liebe und dem schmerzhaften Wissen, dass Gefühle nicht im Gleichgewicht sind.

Ain’t: Grazer

Ain’t starten mit „Grazer“ in ihr neues Jahr und präsentieren eine kompakte, energiegeladene Single, die zugleich als programmatischer Ausblick auf ihre kommende EP „How They Faked The Moon Landing“ fungiert. In unter drei Minuten entfaltet sich ein dichter Mix aus verwaschenen Gitarren, eingängigen Harmonien und einem lässigen 90er-Charme. Der Song verbindet Elemente aus Shoegaze und Dreampop mit einer bewusst rohen Direktheit und wirkt dabei gleichzeitig zugänglich und vielschichtig. Produziert wurde der Track gemeinsam mit Ali Chant, der dem Sound eine klare, aber unaufgeregte Struktur verleiht. Inhaltlich geht „Grazer“ jedoch weit über seine musikalische Leichtigkeit hinaus. Sängerin Hanna Baker Darch nutzt den Song, um sich mit der Bedeutung von Kunst auseinanderzusetzen – gerade in einer Zeit, in der kreative Prozesse zunehmend infrage gestellt werden. „Ich fand es schon immer seltsam, wenn Popkultur als oberflächlich abgetan wird. Allein die Tatsache, dass wir als Menschen Kunst erschaffen, hat etwas zutiefst Mystisches“, erklärt sie. Als Referenz dient dabei ausgerechnet ein Horrorfilm: „Der Song greift diese Idee auf und nutzt ‚Hellraiser‘ als Beispiel. Oft wird er als reiner Splatter abgetan – dabei gibt es erstaunliche Parallelen zu philosophischen Konzepten, etwa zu Deleuze und Guattari. Es wird immer wichtiger zu betonen, wie essenziell kreative Ausdrucksformen sind – nicht nur die vermeintlich ‚hochwertigen‘.“

Pond: Terrestrials

Pond melden sich mit ihrer neuen Single „Terrestrials“ zurück – dem ersten neuen Material seit ihrem 2024 erschienenen Album „Stung!“. Der Song erscheint gemeinsam mit einem Video unter der Regie von Jesse Taylor Smith. Mit „Terrestrials“ widmet sich die australische Band einem großen, vielschichtigen Thema: der widersprüchlichen Natur des Menschen. Zwischen Empathie und Zerstörungskraft entfaltet sich ein Song, der gleichermaßen reflektierend wie eindringlich wirkt. Sänger Nicholas Allbrook beschreibt die Idee dahinter so: „Der Song handelt von den seltsamsten aller Lebewesen – uns Menschen. Wir sind besessen davon, unseren eigenen Planeten zu verlassen oder ihn zu zerstören, und gleichzeitig haben wir diese enorme Fähigkeit zu lieben, uns zu verbinden und füreinander zu sorgen.“ Entstanden ist der Song aus einer musikalischen Idee von Bandkollege Gum, aufgenommen wurde er im Nowave Studio in Mullumbimby. Inhaltlich speist sich „Terrestrials“ auch aus persönlichen Gesprächen und Beobachtungen, die die Band in eine universelle Perspektive überführt. Allbrook ergänzt: „Es ist schwer, die Gedanken an Vergangenheit und Zukunft auszublenden – aber manche schaffen das, zum Beispiel Kinder oder Menschen, die verliebt sind.“

My New Band Believe: Love Story

My New Band Believe, das neue Projekt von Ex-Black Midi-Mitglied Cameron Picton, stellt mit „Love Story“ die erste offizielle Single aus ihrem kommenden, selbstbetitelten Debütalbum vor. Die Platte erscheint am 10. April über Rough Trade. Bereits zuvor teilten My New Band Believe den Track „Numerology“. Die neue Single zählt zu den zentralen Stücken des Albums und erzählt eine Beziehungsgeschichte, die sich aus scheinbar gewöhnlichen Momenten zusammensetzt: gemeinsames Kochen, Abende zu Hause, Pläne für die Zukunft. Diese vertraute, fast unbeschwerte Atmosphäre kippt jedoch abrupt, als sich ein Bruch durch die Erzählung zieht und das Gefühl von Verlust in den Vordergrund rückt. Das begleitende Video wurde von Parker Corey inszeniert und greift die Dynamik des Songs visuell auf. Besonders bemerkenswert ist dabei ein bislang unveröffentlichtes Streicherarrangement von Kiran Leonard, das dem Track zusätzliche Tiefe verleiht. Nach dem Ende von Black Midi im Jahr 2023 entschied sich Cameron Picton bewusst gegen ein klassisches Soloalbum. Stattdessen entwickelte sich das Projekt My New Band Believe schrittweise aus einer offenen Studiosituation heraus – ohne klare Vorgaben, dafür mit viel Raum für Experimente. Das daraus entstandene Debütalbum bewegt sich zwischen unterschiedlichen emotionalen Zuständen und Perspektiven. Picton tritt dabei als Erzähler auf, der zwischen Nähe und Distanz pendelt, während die Musik – gemeinsam mit Mitwirkenden wie Kiran Leonard, Caius Williams, Steve Noble und Andrew Cheetham – ein vielschichtiges, sich ständig wandelndes Klangbild entfaltet.