Die Must-Hears der Woche von Popklub – Das IndiePopZine
Die Must-Hears von Popklub – Das IndiePopZine, diesmal mit neuen Songs und Videos von Stay Lunar, She’s Green, La Sécurité (Foto) und Y.
Stay Lunar: Metro Song
Stay Lunar aus Bristol haben mit „Metro Song“ eine neue Single veröffentlicht und gibt damit einen weiteren Einblick in ihre kommende EP „The Middle Of The End“, die im späten Frühjahr erscheinen soll. Der Track führt den charakteristischen Dreampop-Sound der Band fort, verbindet ihn aber mit einem deutlich persönlicheren Ansatz. Ausgangspunkt ist ein prägendes Erlebnis aus dem Jahr 2023: Während eines Aufenthalts in Paris kämpfte Sänger Harry Leigh kurz vor einem Auftritt mit starker Angst. Die Situation drohte zu kippen, wurde jedoch durch den Rückhalt der Band aufgefangen. Diese Erfahrung bildet das emotionale Zentrum von „Metro Song“ – weniger als Rückblick, sondern als Verarbeitung. Musikalisch übersetzt sich das in ein Wechselspiel aus Spannung und Entlastung. Sanfte, schwebende Passagen stehen neben Momenten, die dichter und unruhiger wirken. Die Band beschreibt den Song sinngemäß als Versuch, den typischen Verlauf von Angst einzufangen: ein Pendeln zwischen Chaos und Beruhigung, ohne dabei in reine Schwere abzurutschen. Stattdessen bleibt eine vorsichtig optimistische Grundstimmung erhalten.
She’s Green: Paper Thin
Die Band She’s Green aus Minneapolis hat mit „Paper Thin“ eine neue Single veröffentlicht und gleichzeitig ihre kommende EP „Swallowtail“ angekündigt, die im Sommer erscheinen soll. Der Track folgt auf „Mettle“ und führt den eingeschlagenen Weg konsequent weiter – allerdings in deutlich fragilerer Form. Stilistisch bewegt sich die Band weiterhin im Umfeld von Dreampop und Shoegaze, entzieht sich aber bewusst einer klaren Einordnung. Stattdessen beschreibt sie ihren Sound selbst als „moss music“ – ein Begriff, der die weiche, organische und leicht verschwommene Klangästhetik treffend einfängt. Auch „Paper Thin“ setzt auf diese dichte, schwebende Atmosphäre, in der Gitarrenflächen eher zerfasern als klar konturiert auftreten. Im Zentrum steht dabei ein Gefühl von Verlust, das sich schleichend entfaltet. Der Song beschreibt den Moment, in dem eine Beziehung sichtbar zerbricht – nicht abrupt, sondern in kleinen Verschiebungen, die sich nicht mehr aufhalten lassen. Diese Perspektive wird von einer melancholischen Stimme getragen, die weniger dramatisiert als beobachtet und gerade dadurch an Gewicht gewinnt. Auch visuell wird diese Stimmung aufgenommen. Das Video begleitet ein Paar durch eine Nacht, die zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät. Die Bilder bleiben dabei bewusst entrückt und leicht surreal, wodurch sich die emotionale Distanz des Songs auch in der Bildsprache widerspiegelt.
La Sécurité: Snack City
Die kanadische Band La Sécurité legt mit „Snack City“ eine neue Single vor und gibt damit einen weiteren Ausblick auf ihr zweites Album „Bingo!“, das im Juni erscheinen soll. Der Track hebt das Tempo deutlich an und zeigt die Gruppe in einer besonders impulsiven, fast überdrehten Form. Musikalisch setzt „Snack City“ auf Geschwindigkeit und Reibung. Ein rastloses Rhythmusfundament trifft auf hektische Vocals, während Gitarren und Synthesizer mit gegenläufigen Melodien arbeiten. Der Song wirkt bewusst überladen, ohne chaotisch zu kippen – vielmehr entsteht ein kontrolliertes Durcheinander, das ständig in Bewegung bleibt und kaum zur Ruhe kommt. Der inhaltliche Ausgangspunkt ist dabei überraschend konkret. Die Band beschreibt den Song sinngemäß als spielerische Auseinandersetzung mit einem simplen Gefühl: Hunger. Ausgehend von wiederholten, fast mantraartigen Zeilen entwickelte sich ein Stück, das Alltägliches ins Absurde verschiebt. Wortspiele, kleine Beobachtungen und humorvolle Details prägen den Text, ohne ihm die Dringlichkeit zu nehmen. Auch visuell folgt das Projekt diesem Ansatz. Das Video greift auf persönliches Material der Band zurück – Aufnahmen von unterwegs, kombiniert mit collageartigen Elementen und Animationen. Daraus entsteht eine Ästhetik, die bewusst fragmentarisch wirkt und den Charakter des Songs unterstreicht.
Y: Duplicate
Das Londoner Kollektiv Y treibt seine Entwicklung weiter voran und legt mit „Duplicate“ eine neue Single vor. Der Track folgt auf die bereits veröffentlichten Songs „Skipper“ und „May“ und dient als Vorbote für die zweite EP, die im Frühjahr erscheinen soll. „Duplicate“ setzt genau dort an, wo die bisherigen Veröffentlichungen ihre Schärfe angedeutet haben – wirkt aber noch direkter. Der Sound ist kantig, getrieben und bewusst unruhig, mit einer Energie, die weniger auf klassische Songstrukturen setzt als auf Verdichtung und Reibung. Diese Ästhetik speist sich aus dem Umfeld der Londoner Underground-Szene, bleibt aber eigenständig genug, um nicht darin aufzugehen. Inhaltlich richtet sich der Track gegen Mechanismen von Anpassung und Kontrolle. Die Band beschreibt das Thema sinngemäß als Kritik an narzisstischen Dynamiken: Figuren, die versuchen, ihr Umfeld nach ihrem eigenen Abbild zu formen und Abweichung als Bedrohung begreifen. Daraus entsteht ein Bild von Gemeinschaft, das weniger Stärke als Illusion ist – eine geschlossene Struktur, die Originalität unterdrückt und sich selbst stabilisiert.
