Die Must-Hears der Woche von Popklub – Das IndiePopZine

Die Must-Hears von Popklub – Das IndiePopZine, diesmal mit neuen Songs und Videos von Lemonsuckr (Foto), Bloc Party, Strange Lot und The Howlers.

Lemonsuckr: Stain

Die Single „Stain“ von Lemonsuckr eröffnet das nächste Kapitel der kommenden EP „Life Is A Heist“, die später in diesem Jahr erscheint. „Stain“ verbindet nervöse Gitarren, drückende Dynamik und eine latent bedrohliche Atmosphäre mit emotional offener Lyrik. Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit familiären Brüchen und sozialer Ausgrenzung. Die Band beschreibt das Stück sinngemäß als Auseinandersetzung mit der Frage, was passiert, wenn Menschen innerhalb einer Familie oder Gemeinschaft bewusst ausgeschlossen werden – und welche Spuren ein zerstörtes Zuhause hinterlässt. Diese Schwere zieht sich durch den Song, ohne ihn in Hoffnungslosigkeit kippen zu lassen. Die neue EP entstand in Eigenregie zwischen dem bandeigenen Studio und den Electric Studios in Brighton. Sänger Guy Ferris bezeichnet „Life Is A Heist“ als bislang klarste Selbstdefinition der Band. Manche Songs würden die Gruppe emotional komplett offenlegen, andere bewusst Leichtigkeit hineinbringen, um den düsteren Momenten etwas entgegenzusetzen. Genau dieser Kontrast prägt auch „Stain“: rohe Intensität auf der einen Seite, ein spürbarer Drang nach Katharsis auf der anderen.

Bloc Party: Coming On Strong

Bloc Party haben ihr neues Album „Anatomy Of A Brief Romance“ angekündigt und mit „Coming On Strong“ zugleich die erste Single daraus veröffentlicht. Vier Jahre nach „Alpha Games“ markiert der Track den Beginn einer neuen Phase der Band. Musikalisch zeigt sich „Coming On Strong“ als spannungsgeladener, dunkler Indierock-Track, der von unterschwelliger Bedrohung lebt. Produziert wurde er von Trevor Horn, dessen Handschrift dem Song zusätzliche Tiefe und dramatische Konturen verleiht. Frontmann Kele Okereke beschreibt die Stimmung sinngemäß als Moment des gegenseitigen Annäherns: Zwei Menschen, die sich endlich begegnen können, ohne zunächst die Brüche des anderen zu sehen – ein kurzer Zustand intensiver, fast gefährlich wirkender Verführung. Diese emotionale Spannung zieht sich durch das gesamte Albumkonzept. „Anatomy Of A Brief Romance“ sei laut Okereke das persönlichste Werk der Band bislang. Die Songs erzählen demnach eine durchgehende Geschichte, die aus einer schmerzhaften Trennung entsteht und in eine neue, unerwartete Liebe führt. Jeder Song basiere auf realen Erlebnissen, die er konsequent dokumentiert habe – ohne Fiktion, ohne Schutzfilter. Nach dem Schreiben habe er, so Okereke weiter, vor allem Erleichterung verspürt: Die Erfahrungen seien nun „abgelegt“, statt ihn weiter zu belasten. Liebe erscheine auf dem Album nicht als idealisiertes Gefühl, sondern als ambivalenter Zustand aus Nähe und Verletzung.

Strange Lot: Nobody Seems To Do The Math

Die aus Austin stammende Band Strange Lot meldet sich mit einem klaren Neuanfang zurück: Mit der Single „Nobody Seems To Do The Math“ kündigt die Band zugleich ihr selbstbetiteltes Debütalbum an, das am 14. August erscheint. Der Track zeigt die Band in einer bewusst verschobenen Klangästhetik – irgendwo zwischen verwaschenem Shoegaze, staubigem Psych-Rock und treibender Garage-Energie. Musikalisch baut „Nobody Seems To Do The Math“ auf flirrenden Synth-Flächen, verzerrten Gitarren und einem konstanten, fast hypnotischen Puls auf. Der Song entstand laut Band in nur einem Tag – von der ersten Idee bis zur finalen Struktur. Inhaltlich dreht er sich um die menschliche Tendenz, Situationen vorschnell zu bewerten, bevor alle Informationen sichtbar sind. Genau dieses Gefühl der vermeintlichen Sicherheit, das plötzlich kippt, zieht sich als zentrales Motiv durch den Track. Für Sänger und Gitarrist Dominic Mena markiert das Album zugleich einen Wendepunkt. Nachdem er 2022 kurz davorstand, Strange Lot zu beenden, kehrte er zurück ins Studio und begann erneut bei null – zunächst allein, mit einer Vielzahl an Demos, die später die Grundlage der Platte bildeten. Aus dieser Phase der Neuorientierung entwickelte sich ein deutlich breiterer Sound, der klassische Psych-Rock-Strukturen mit Shoegaze-Texturen und synthetischen Klangflächen verbindet.

The Howlers: Viper

The Howlers melden sich mit der neuen Single „Viper“ zurück und kündigen gleichzeitig ihr zweites Album „Heavy“ für den 9. Oktober an. Der Track markiert den Auftakt einer Phase, in der sich die Band stilistisch und strukturell neu sortiert hat – reduziert, fokussierter und deutlich dunkler im Tonfall als noch auf dem Debüt. Nach einer Phase des Umbruchs Ende 2024 haben The Howlers ihr Projekt neu aufgestellt. Aus der ursprünglichen Bandformation wurde ein Duo aus Young und Drummer Toby Richards, was den kreativen Fokus deutlich verschärft hat. Diese Reduktion wirkt sich auch direkt auf den Sound aus: weniger Überbau, mehr direkte Energie. Musikalisch setzt „Viper“ auf einen druckvollen, durchgehenden Riff, eine unruhig treibende Rhythmussektion und eine Spannung, die sich über den gesamten Song hinweg aufbaut. Inhaltlich beschreibt Frontmann Adam Young eine Situation zwischen Anziehung und Warnsignal: die bewusste Entscheidung, sich trotz erkennbarer „red flags“ auf eine destruktive Dynamik einzulassen. Der Song kreist damit um das Spannungsfeld zwischen Impuls und Konsequenz – und um den Reiz des Kontrollverlusts im Moment selbst.