Die Must-Hears der Woche von Popklub – Das IndiePopZine
Die Must-Hears von Popklub – Das IndiePopZine, diesmal mit neuen Songs und Videos von Zoon Phonanta, Atmos Bloom, Softcult (Foto) und Panic Shack.
Zoon Phonanta: Bad Cats
Die Berliner Krautrock- und Psych-Disco-Formation Zoon Phonanta hat mit „Bad Cats“ eine neue Single aus ihrem kommenden Album „Emergency Lies“ veröffentlicht. Für den Track holte sich die Band Unterstützung von A.S. Fanning, dessen markanter Bariton dem Stück eine zusätzliche düstere Note verleiht. Musikalisch bewegt sich „Bad Cats“ zwischen motorischem Krautrock, elektronischem Postpunk und tanzbarer Disco-Energie. Treibende Rhythmen treffen auf frei drehende Synthesizer, Vocoder-Spielereien und eine nervöse Grundspannung, die den Song permanent in Bewegung hält. Trotz seiner Eingängigkeit wirkt der Track nie glatt poliert – vielmehr entfaltet er eine kontrollierte Wildheit, die sich durch das gesamte Arrangement zieht. Textlich richtet sich die Single gegen eine Gegenwart voller Widersprüche. Während Wissen und technischer Fortschritt scheinbar grenzenlos verfügbar sind, scheinen Desinformation, Ignoranz und digitale Reizüberflutung weiterhin Hochkonjunktur zu haben. Mit schwarzem Humor und spitzer Feder beschreibt der Song diese Absurditäten und verwandelt gesellschaftliche Frustration in einen ebenso bissigen wie tanzbaren Kommentar zur Gegenwart.
Atmos Bloom: Everything
Das Duo Atmos Bloom aus London meldet sich mit neuer Musik zurück. Curtis Paterson und Tilda Gratton haben ihr zweites Album „Everythingness“ für den 24. Juli angekündigt und präsentieren mit „Everything“ zugleich die erste Single daraus. Der Song erscheint gemeinsam mit einem selbst produzierten Video und eröffnet ein neues Kapitel für die Band, die seit ihrem Debüt „Flora“ ihren verträumten Lo-Fi-Sound kontinuierlich weiterentwickelt hat. Musikalisch verbindet „Everything“ schwebende Gitarren, sanfte Shoegaze-Texturen und melodischen Indiepop zu einem ebenso eingängigen wie nachdenklichen Stück. Im Zentrum steht das Gefühl, den unterschiedlichsten Erwartungen gerecht werden zu wollen und dabei die eigene Orientierung nicht zu verlieren. Die Band beschreibt den Song als Auseinandersetzung mit den Widersprüchen des Erwachsenwerdens und dem Versuch, zwischen äußeren Ansprüchen und persönlichen Bedürfnissen den eigenen Weg zu finden. Auch das begleitende Video greift diese Themen auf. Mehrere Versionen des eigenen Selbst treffen darin aufeinander und spiegeln die innere Zerrissenheit wider, die den Song prägt. Statt eindeutiger Antworten setzt das Duo auf Offenheit und lässt Raum für individuelle Interpretationen.
Softcult: Tired
Das kanadische Geschwister-Duo Softcult legt mit „Tired“ den Fokus auf einen der politischsten Momente seines Debütalbums „When A Flower Doesn’t Grow“. Begleitet von einem neuen Musikvideo erhält der bereits veröffentlichte Song nun zusätzliche Aufmerksamkeit – und trifft mit seiner Botschaft den Nerv einer zunehmend polarisierten Gegenwart. Musikalisch bleibt das Duo seinem charakteristischen Mix aus Grunge, Shoegaze und Alternative Rock treu. Verzerrte Gitarrenwände treffen auf eingängige Melodien und schaffen eine Atmosphäre, die zugleich verletzlich und konfrontativ wirkt. „Tired“ entfaltet dabei eine unterschwellige Spannung, die sich aus Frustration, Enttäuschung und aufgestauter Wut speist. Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit politischer Radikalisierung und dem Moment, in dem sich die eigene Sicht auf die Welt grundlegend verändert. Sängerin Mercedes Arn-Horn beschreibt das Stück als Reaktion auf die Erfahrung, in einem System zu leben, das viele Menschen als ungerecht und unterdrückend empfinden. Die ständigen Debatten, gesellschaftlichen Konflikte und Angriffe auf grundlegende Menschenrechte hätten bei vielen ein Gefühl tiefer Erschöpfung hinterlassen. Dabei formulieren Softcult keine resignative Bestandsaufnahme, sondern einen klaren Aufruf zur Ablehnung von Machtstrukturen und Ideologien, die Ausgrenzung und Hass fördern. Der Song kanalisiert dieses Unbehagen in eine Mischung aus Trotz und Entschlossenheit – ohne einfache Antworten zu liefern.
Panic Shack: Grin & Bear It
Nach dem Erfolg ihres selbstbetitelten Debütalbums legen Panic Shack neue Musik nach. Die walisische Punkband aus Cardiff liefert mit „Grin & Bear It“ einen kompromisslosen Soundtrack für alle, die vom täglichen Hamsterrad genug haben. Treibende Gitarren, kantige Rhythmen und die unverkennbare Direktheit von Frontfrau Sarah Harvey machen „Grin & Bear It“ zu einer wütenden, aber zugleich mitreißenden Abrechnung mit Arbeitsalltag, Erschöpfung und gesellschaftlichem Leistungsdruck. Produzent Ross Orton, bekannt für seine Arbeit mit Arctic Monkeys und Amyl & The Sniffers, verleiht dem Track zusätzliche Schwere und Durchschlagskraft. Passend zur Veröffentlichung erscheint ein selbstgedrehtes Musikvideo, das während der jüngsten Deutschland-Tour entstanden ist. Zwischen Backstage-Momenten, Graffiti-Wänden und nächtlichen Tour-Eindrücken fängt der Clip den ungefilterten Geist der Band ein und unterstreicht ihren Ruf als eine der aufregendsten Live-Acts der britischen Punkszene.
