Die Must-Hears der Woche von Popklub – Das IndiePopZine
Die Must-Hears von Popklub – Das IndiePopZine, diesmal mit neuen Songs und Videos von Lambrini Girls, Bad Nerves (Foto), Shiv And The Carvers und Anxious.
Lambrini Girls: Bang Bang Bang
Lambrini Girls kündigen ihr zweites Album „No Refunds“ an, das am 15. Januar über City Slang erscheint. Phoebe Lunny und Selin Macieira-Boşgelmez stellen die Platte mit der neuen Single „Bang Bang Bang“ vor, die nach „Cult Of Celebrity“ einen weiteren Einblick in das kommende Album gibt. Während der erste Vorbote die Promi-Kultur ins Visier nahm, richtet sich „Bang Bang Bang“ auf eine Figur, die zugleich als christusähnliches Idol und als Verkörperung des Bösen verehrt wird. Entstanden ist das Album zudem vor dem Hintergrund einer besonders belastenden Zeit für beide Musikerinnen. Nach gesundheitlichen Problemen und den körperlichen und emotionalen Folgen ihres intensiven Tourlebens mussten Lunny und Macieira-Boşgelmez ihre Arbeitsweise und die Belastungen des Bandalltags neu betrachten. Musikalisch verschärfen Lambrini Girls dabei die Kontraste ihres bisherigen Sounds. Treibender Punk und schroffe Basslinien treffen auf eine überraschend unmittelbare Popkante, während die gewohnt bissigen Texte von einer zunehmend düsteren Grundstimmung begleitet werden. Das Duo beschreibt „No Refunds“ als Reaktion auf eine Gegenwart, in der gesellschaftliche und politische Entwicklungen immer bedrohlicher erscheinen und die frühere Hoffnung auf Veränderung zunehmend einem Gefühl der Dringlichkeit gewichen ist.
Bad Nerves: Network
Müssen wir unbedingt nachreichen und bleiben damit auf der musikalischen Schiene: Bad Nerves haben vor knapp drei Wochen mit „Network“ ihren bislang härtesten Track vorlegt und verbinden dabei ihren energiegeladenen Gitarrensound mit einer deutlich düsteren Grundstimmung. Der Song baut sich aus wachsender Spannung auf und beschäftigt sich mit der Frage, wie soziale Netzwerke, digitale Medien und der permanente Nachrichtenstrom unsere Sicht auf die Welt beeinflussen. Statt einer einzelnen Plattform oder eines konkreten Ereignisses richtet sich der Blick auf die Mechanismen dahinter – auf Systeme, die Wahrnehmung formen, Verhalten beeinflussen und bestimmen, welche Geschichten ständig präsent sind. „Network“ versteht sich dabei auch als Aufforderung, den ununterbrochenen Strom aus Meldungen, Meinungen und Reizen nicht einfach hinzunehmen. Die fünf Musiker stellen der permanenten digitalen Beschallung den Gedanken gegenüber, sich bewusst einen eigenen Blick auf die Dinge zu bewahren. Der dazugehörige Clip setzt den neuen Song visuell in Szene und markiert zugleich den Beginn einer Phase, in der Bad Nerves offenbar deutlich größere Pläne verfolgen.
Shiv And The Carvers: Screens
Shiv And The Carvers kündigen ihr Debütalbum „Always Watching“ an. Die Platte erscheint am 29. Oktober und wird von der neuen Single „Screens“ begleitet. Zwischen ruppigem Punkrock, schrägen Arrangements und einer bewusst ungeschliffenen Energie beschäftigt sich das Stück mit dem Widerspruch einer Welt, in der nahezu jede Information jederzeit verfügbar ist und man sich dennoch zunehmend ausgeliefert fühlen kann. „Screens“ richtet den Blick dabei auf das Smartphone als widersprüchliches Werkzeug. Das Gerät eröffnet Zugang zu Bildern, Wissen und neuen Möglichkeiten, bestimmt zugleich aber mit, was im täglichen Informationsstrom auftaucht. Shiv Scott beschreibt einen Feed, in dem Aufnahmen von Krieg und menschlichem Leid unmittelbar neben Werbung für Schönheitsoperationen stehen – ein Nebeneinander, das die Überforderung durch die permanente digitale Reizflut auf den Punkt bringt. Das Video übersetzt dieses Gefühl in eine klaustrophobische Szene. Shiv befindet sich in einem blau beleuchteten Raum vor einem Fernseher, daneben liegt ein Baseballschläger, während eine Aufforderung dazu mahnt, eine Tür weder zu zerbrechen noch zu schlagen. Die scheinbar simple Situation entwickelt sich zum Bild für das Gefühl, von einem Bildschirm verschluckt zu werden und keinen Ausweg aus der eigenen Überforderung zu finden.
Anxious: Secret Weapon
Mit „Secret Weapon“ legt die US-Band Anxious ihre zweite neue Single innerhalb kurzer Zeit vor. Der Song folgt auf „Don’t Move“ und ist damit das erste neue Material der Band seit ihrem zweiten Album „Bambi“. Wuchtige, stark verzerrte Gitarrenriffs bestimmen den Sound und geben dem Stück eine direktere, riffbetontere Ausrichtung, während die weitläufige und atmosphärische Handschrift des Vorgängeralbums erhalten bleibt. Hinter dem Titel verbirgt sich allerdings keine musikalische Kampfansage, sondern eine Kritik an der Funktionsweise des Musikgeschäfts. Gitarrist und Co-Sänger Dante Melucci beschreibt die „Secret Weapon“ als eine Industrie, die Statistiken, Trends und aktuelle Hypes dazu nutzt, Künstler zu definieren und ihnen gleichzeitig vorzuschreiben, wie sie klingen sollten. Eine solche strategische Ausrichtung wirke auf ihn bei manchen Acts zunehmend verzweifelt – wirkliche Kreativität, so seine Überzeugung, lasse sich nicht nach einem festen Erfolgsrezept im Labor herstellen.
