Die Must-Hears der Woche von Popklub – Das IndiePopZine

Die Must-Hears von Popklub – Das IndiePopZine, diesmal mit neuen Songs und Videos von Lemondaze (Foto), Dewey, Flat Party und Helicon.

Lemondaze: Polari

Lemondaze starten mit frischer Energie in die nächste Phase: Am 5. Dezember erscheint ihre neue EP „Subtext“ über Venn Records. Vorab meldet sich das Quartett aus Cambridge mit der gewaltigen Leadsingle „Polari“ zurück – einem Song, der die bisherige Mischung aus Postrock, Shoegaze und Grunge noch tiefer, breiter und emotionaler auslotet. Nach ihrem Sommertrack „O(type)“ zeigt „Polari“, wie sehr sich Lemondaze weiterentwickelt haben. Die Single baut ein massives, fast filmisches Klangbild aus schweren Bässen, schimmernden Harmonien und kurzen Momenten glasklarer Ruhe. Einflüsse von Curve und Deftones sind spürbar, doch der Song erschafft sein eigenes, hallendes Universum – zwischen wütender Intensität und zerbrechlicher Erinnerungswärme. Sängerin und Texterin Isis de Chastelain verbindet diese Klanggewalt mit einem Gefühl jugendlicher Freiheit: entstanden nach einem magischen Wochenende auf dem Green Man Festival, getragen von Gedanken an Sommergefühle, Freundschaft und leichtsinnige Abenteuer. Geschrieben wurde der Song während einer skurrilen Quarantäne-Phase – zwischen Games, Comfort Food und kreativem Fieber. Die EP „Subtext“, produziert und gemischt von Matt Glasbey, entstand 2024 zwischen London und Brighton. Sie markiert die erste Veröffentlichung seit ihrem Debüt „Celestial Bodies“ (2021) und präsentiert eine Band, die im Hintergrund an ihrem Sound gefeilt hat: roher, konzentrierter und klarer in ihrer Haltung.

Dewey: Jinx

Die neue Pariser Band Dewey präsentiert mit „Jinx“ ihre erste Vorabsingle aus dem kommenden Debütalbum „Summer On A Curb“, das im Februar bei Howlin‘ Banana Records erscheint. Der Track mischt spätneunziger Nostalgie mit einem modernen Indie-Sound, der an aktuelle Acts wie Wishy, Wednesday oder Slow Pulp erinnert – warm, melodisch und gleichzeitig voller roher Kanten. Angetrieben von einem stetigen Arpeggiator, entwickelt „Jinx“ einen subtil synthetischen Sog, der an die melancholische Größe eines „Bittersweet Symphony“-Moments erinnert. Inhaltlich beleuchtet der Song den Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und der kurzlebigen Realität von Trends – ein Thema, das in der Indie-Welt aktueller kaum sein könnte. Das dazugehörige Musikvideo, gedreht von den Pariser Indie-Filmemacher*innen Emma Birski und Alexis Tinevez, übersetzt diesen Konflikt humorvoll in Bilder: Es zeigt die Band beim Versuch, Promo-Material zu erstellen – inklusive echter Unsicherheit, Verlegenheit und dem ehrlichen Gefühl, sich in der öffentlichen Selbstdarstellung irgendwie deplatziert zu fühlen.

Flat Party: C4mGrrl

Die Londoner Band Flat Party ist zurück – und zwar mit einer Doppelsingle, die ihre bisherige Diskografie kühn aufsprengt. Im Mittelpunkt steht der Track „C4mGrrl“, ein Song, der sich mit den verzerrten Realitäten digitaler Nähe auseinandersetzt. Frontmann Jack Lawther entwirft darin die Erzählung eines Mannes, der sich zunehmend in eine Online-Beziehung mit einer Cam-Girl-Figur verstrickt – ein bewusst zugespitztes Szenario, das ein reales, selten offen diskutiertes Thema berührt. Ursprünglich war die Idee sogar Ausgangspunkt für ein Konzeptalbum über „furchtbare Männer“. Musikalisch wagt die Band einen deutlichen Bruch: Über einem sirenenhaften Synth-Motiv pendelt „C4mGrrl“ zwischen düsteren Strophen und einem explosiven, scharfkantigen Refrain. Ein besonderes Highlight setzt Taylor Pollock (Djank), der dem Track mit seinem Bridge-Part und einem surrealen Auftritt im Video zusätzliche Spannung verleiht.

Helicon: Backbreaker

Mit „Backbreaker“ legen Helicon und Produzent Al Lover ihre nächste gemeinsame Single vor – ein energiereiches Aufeinandertreffen von Psychedelic, elektronischen Breaks und düster pulsierenden Grooves. Der Track kündigt das kollaborative Album „Arise“ an, das am 13. Februar bei Fuzz Club Records erscheint. Musikalisch verschmelzen Helicon und Al Lover zwei Welten: donnernde Rock-Energie trifft auf Drum’n’Bass-Elemente, inspiriert von den legendären Amen-Breaks. Lover erklärt, dass diese Kombination eine natürliche Wucht entfaltet – roh, psychedelisch und zugleich hypnotisch. Produziert wurde Arise von Tony Doogan in den Castle Of Doom Studios in Glasgow. Das Album entstand aus einem transatlantischen Austausch von über zwanzig Demos, die schließlich im Studio von der neunköpfigen Helicon-Besetzung eingespielt und durch Lovers Drum-Machine-, Synth- und Sample-Layer in neue Klangräume erweitert wurden. Auch Chris Geddes (Belle & Sebastian) steuerte Piano bei.