Review: Geese – Getting Killed
„Getting Killed“ zeigt Geese auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Kreativität, indem sie nach „Projector“, „3D Country“ und Cameron Winters Soloausflug nicht nur ihre frühere Form zerschlagen und in wilder Eigenlogik neu zusammensetzen, sondern zugleich eine Welt vertonen, in der apokalyptische Untergangsszenarien, politische Verrohung, Bomben, Krieg und moralischer Verfall nicht als Kulisse, sondern als permanenter Aggregatzustand ins Songwriting durchsickern. Dieser dritte Longplayer erhebt das Chaos zum Stilprinzip, verschränkt Sticky-Fingers-Rock und Astral-Weeks-Poesie mit Country-Funk, Freefall-Anarchie, Bläsereruptionen, falsettierenden Ausrufen und kaputten Stereo-Spielereien, und kanalisiert in Tracks wie dem explodierenden „Trinidad“ wie auch im Titelstück eine Dringlichkeit, die sowohl an Nina Simone in ihrer rastlosen Intensität als auch an New Yorker Postpunk-Geister à la Suicide erinnert, nur mit mehr Kuhglocken, Humor und literarischem Furor. Dass Geese darin zwischen Dystopie, Groteske und unbändiger Spiellaune oszillieren, macht „Getting Killed“ nicht nur zu ihrem eigenständigsten und furchtlosesten Werk, sondern vielleicht zu einem der notwendigsten und elektrisierendsten Indierock-Alben der 2020er Jahre – ein wütender, grotesker und zugleich berauschend lebendiger Kommentar zum Sterben im Jetzt.
Tracklist
01. Trinidad
02. Cobra
03. Husbands
04. Getting Killed
05. Islands Of Men
06. 100 Horses
07. Half Real
08. Au Pays Du Cocaine
09. Bow Down
10. Taxes
11. Long Island City Here I Come
Geese: Getting Killed
Vö: 26.09.2025 / Partisan Records
