Review: Protomartyr – Hotel Usona
Auf ihrem siebten Album „Hotel Usona“ entwerfen Protomartyr ein düsteres, zunehmend entrücktes Panorama einer Gesellschaft im Ausnahmezustand, in dem Joe Casey Themen wie technologische Abhängigkeit, politische Radikalisierung, soziale Spaltung und persönliche Entfremdung in fragmentarischen Bildern verarbeitet, ohne daraus plakative Botschaften zu formen. Musikalisch erweitert die Band ihren Postpunk-Sound um jazzige Bläser, elektronische Texturen, Streicher, Piano und ungewöhnliche Gitarrenfarben, wobei Greg Ahee, Alex Leonard und Scott Davidson zwischen treibender Nervosität, bedrohlicher Ruhe und ausufernden Passagen wechseln und gerade durch diese Spannung eine Atmosphäre erzeugen, die zugleich vertraut und deutlich anders als auf früheren Alben wirkt. Vom gedämpften Einstieg über die zunehmend aufgewühlten Stücke bis zum ausgedehnten Finale entwickelt sich „Hotel Usona“ zu einem sperrigen, anspruchsvollen Album, das seine Wirkung weniger aus unmittelbarer Eingängigkeit als aus den vielen klanglichen und lyrischen Details bezieht und mit jedem Durchlauf neue Facetten zwischen Beklemmung, Wut, Resignation und vorsichtiger Selbstreflexion freilegt.
Tracklist
01. The Old Hotel
02. Sounds We Cannot Hear
03. Converts
04. Exalted Eagles
05. The Knife Dream
06. Feed The Sewer
07. Lavender – Gospel
08. Third Country
09. Checking Out
Protomartyr: Hotel Usona
VÖ: 25.09.2026 / Domino
