Review: Slow Fiction – Dollhouse

Mit „Dollhouse“ legt das New Yorker Quintett Slow Fiction ein Debüt vor, das Dreampop, Shoegaze und Indierock nicht glatt miteinander versöhnt, sondern bewusst aneinanderreibt, wobei flirrende Gitarren, nervöse Rhythmen und Julia Vassallos kühl-emotionaler Gesang zwischen verträumter Schönheit und aufgerauter Intensität pendeln und gerade die kleinen Brüche verhindern, dass die elf Songs in beliebiger Indie-Melancholie verschwimmen. Thematisch kreist das Album um Identität, Wahrnehmung, Intimität und die unangenehme Frage, welche Version von uns eigentlich übrig bleibt, wenn niemand mehr zusieht, wobei Slow Fiction diese Unsicherheit erfreulicherweise nicht mit großen Antworten zukleistern, sondern in Songs wie „Junior Year“, „Mouthpiece“ oder „Satellite“ als widersprüchlichen Zustand stehen lassen und damit persönliche Zweifel ebenso ansprechen wie die zunehmende Distanz einer Gegenwart, in der selbst menschliches Leid leicht zur bloßen Schlagzeile oder zum konsumierbaren Bild werden kann. Ganz ohne Schwächen ist „Dollhouse“ allerdings nicht, denn manche der komplexeren Arrangements wirken eher wie interessante Möglichkeiten als vollständig ausgearbeitete Songs, doch spätestens das über sechsminütige „Turning Down Flowers“ bündelt die Stärken dieser eigenwilligen Platte, die ihre Wirkung weniger aus einzelnen großen Momenten als aus der konsequenten Spannung zwischen Schönheit und Unbehagen bezieht und Slow Fiction damit als Band vorstellt, die noch nicht alle Antworten kennt, aber genau daraus eine erstaunlich überzeugende musikalische Haltung entwickelt.

Tracklist

01. Junior Year
02. Ninetynine
03. Mouthpiece
04. What The Night Told Me
05. Bottle Episode
06. Idle Hours
07. G.A.L.S.
08. Dollhouse
09. Satellite
10. Heavy Metal
11. Turning Down Flowers

Slow Fiction: Dollhouse
Vö: 07.08.2026 / Tight Knit